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Dienstag, 4. August 2026

August 2026: 6 x Literatur als Radiokunst in der Ö1-Sendung „Blaue Stunde“


Literatur als Radiokunst, Logo © Martin Breindl
 

Im August 2026 präsentiert die Ö1-Reihe „Blaue Stunde“an drei Terminen (17.08./24.08./31.08.) die Reprisen von insgesamt sechs Produktionen der Reihe ‘Literatur als Radiokunst’ aus dem ORF-Kunstradio

 

Geschichte/Grundlagen: Text Open Access

Aus diesem Anlass habe ich den 2015 publizierten Essay „Hörstücke, die für sich sprechen: 15 Jahre Literatur als Radiokunst im ORF-Kunstradio“ sanft adaptiert sowie auf dem Portal ResearchGate als Open Access-Quelle zur Verfügung gestellt.  

 

Literatur als Radiokunst, 1999–2015

Die Reihe 'Literatur als Radiokunst' wurde 1999 von der Schriftstellerin Liesl Ujvary ins Leben gerufen und von 2001 bis 2015 von Chris Zintzen kuratiert und produziert. 

Mehr als 60 Autor*innen und Künstler*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben für diese Reihe Originalwerke der experimentellen Radiokunst geschaffen, darunter etwa Ann Cotten, Franz Josef Czernin, Oswald Egger, Nora Gomringer, Elfriede Jelinek, Christian Loidl, Franz Mon, Monika Rinck und Kathrin Röggla. Ein umfangreicheres Archiv zur Reihe ist in Arbeit. 

 

Ö1 „Blaue Stunde“: Termine, Sendungen, Einzelproduktionen

01 | Stimme und nichts als die Stimme 01 — Blaue Stunde, Radio Österreich 1; Mo, 17.08.2026, 21:00 Uhr

  • Elfriede Jelinek/Josef Klammer: „Ikarus“ (2004) 
  • Liesl Ujvary: „bad sector“ (2001) 

Mit einem aktuellen Kommentar. Gestaltung: Philip Scheiner unter Mitarbeit von Marie Christin Spatzek 

02 | Stimme und nichts als die Stimme 02 — Blaue Stunde, Radio Österreich 1; Mo, 24.08.2026, 21:00 Uhr

  • Anja Utler: „suchrufen, taub“ (2007) 
  • Richard Obermayr: „stillgelegt“ (2009) 

Mit einem aktuellen Kommentar. Gestaltung: Philip Scheiner unter Mitarbeit von Marie Christin Spatzek 

03 | Stimme und nichts als die Stimme 03 — Blaue Stunde, Radio Österreich 1; Mo, 31.08.2026, 21:00 Uhr

  • Ann Cotten: „parkbank“ (2007) 
  • Jürgen Berlakovich: „Selfcompiler. Ein SprachSoundScape“ (2012) 

Mit einem aktuellen Kommentar. Gestaltung: Hans Groiss unter Mitarbeit von Marie Christin Spatzek 

Die Sendungen werden via ORF.sound mindestens 30 Tage lang on Demand abrufbar bleiben.

Ö1 Blaue Stunde

 

 

 

 


 

Samstag, 22. Februar 2025

Termin 10.03.25 | Gert Jonkes Hörfunk/en | Alte Schmiede, Wien


Montag, 10. März 2025, 19 Uhr
Gert Jonkes Hörfunken 

 



Cornelia Hülmbauer, Martin Kubaczek, Chris Zintzen hören Gert Jonke 

Beiträge mit akustischen Zitaten, Diskussion. Moderation Annalena Stabauer im Rahmen der Reihe Hör!Spiel!

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Cornelia Hülmbauer, Martin Kubaczek, Chris Zintzen präsentierten Hörspiele nach Texten des wunderbaren Gert Jonke in der Alten Schmiede. Unter kundiger Moderation Annalena Stabauers, die in Kooperation mit mehreren ARD- und ORF-Funkhäusern einen fulminanten Schatz von Archivmaterial zusammengetragen hat, durften wir Produktionen aus den Jahren 1971 bis 2004 in signifikanten Ausschnitten präsentieren und diskutieren. – Gerade im Hörspiel tritt die Besonderheit eines „Erzählens zweiten Grades“ bei diesem Autor hervor, das Cornelia Hülmbauer sehr treffend mit dem Begriff der „Deckerzählung“ charakterisiert hat.

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Diskurs in der Fuge höherer Ordnung – Auditive Realisationen von Texten Gert Jonkes (Chris Zintzen)

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Es ist, als habe Gert Jonke bereits früh einen Trick, eine Fuge oder einen Spalt des Auswegs gefunden, um einen Weg / eine BeWEGungsmöglichkeit / aus dem Labyrinth von sprachkritischen Aporien zu bahnen.

Er steigt 1. aus der Zumutung der real existierenden und als unerträglich markierten Verhältnisse aus, indem er – mit rein sprachlichen Mitteln – Sachverhalte aus dem Hut der Imagination hervorzaubert und diese sodann handkehrum wieder verschwinden lässt.

Und 2.: Indem der Autor einen grammatikalischen MODUS SURREALIS konstruiert, befreit er sich aus der Zwangsjacke des Referenziellen. Der Weg in eine distinkte eigene Sprach-Bild-Wirklichkeit ist damit frei.

Vermutlich ist die Aufmerksamkeit heuristisch ertragbringend auf einerseits die Rhythmik des Rhemas und anderseits insbesondere der textlichen Wortwörtlichkeit zu richten: Eine solche Glashausbesichtigung wird im Modus der tautologischen Absurdität einen höchst reflektiert autopoietisch agierenden Schriftsteller wahrnehmen. 

Versteck im Offensichtlichen


Das Groteske spielt dabei eine dialektische Doppelrolle: Hier die konsequente Durchdeklination eines poetischen und/oder gedanklichen Prinzips – dort eine Ablenkung/Ausleitung, die den existenziellen Ernst dieses Spiels kaschiert.

Entsprechend wäre die Prosa Gert Jonkes noch einmal neu nach dem Modell von Edgar Allan Poes The purloined Letter zu lesen: Das Offensichtliche ist deckungsgleich mit dem für versteckt gehaltenen Gesuchten. In der akustischen Realisation bzw. in der hördramatischen Aufbereitung der Prosatexte kommt dieser faszinierende Aspekt der Jonke'schen Prosa ganz besonders zum Tragen. – 

Aufschlüsse im Auditiven


Da die germanistische Forschung weiterhin weitgehend buchbasiert erfolgt, entgehen der Fachrezeption und -diskussion wertvolle Aspekte. Auch im Rückblick auf 15 Jahre Produktion und Realisation der Reihe Literatur als Radiokunst (ORF Kunstradio) mit rund 60 avancierten zeitgenössischen Autor*innen ist eine gewisse Trägheit der Literaturwissenschaft festzustellen: Es sieht so aus, als möchte diese Wissenschaft in ihrem Papierturm nicht weiter gestört werden.

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Cornelia Hülmbauer, *1982; Autorin, Sprachwissenschaftlerin. Zuletzt (u.a.): oft manchmal nie. Roman (2023).

Martin Kubaczek, *1954 in Wien, Autor, Literaturwissenschaftler, Violinist. Zuletzt: Die Süsze einer Frucht. Pflanzenikonen (2018; m. Rosemarie Hebenstreit).

Chris Zintzen, Autor, Kulturwissenschaftler in Wien. Zahlreiche Arbeiten zur Hörkunst, 2001–2015 Kurator/Producer der Reihe Literatur als Radiokunst im ORF-Kunstradio.
 

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Vgl. Hoerspielkritik.de  

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