Mittwoch, 15. Januar 2020

Cervus nippon nippon / Gespräch über Bäume


Der Ideologiekritik verdanken wir den Generalverdacht
gegen Schönes und vermeintlich Einfaches,
an welchem die Anschauung zuschanden geht.

Es gilt, Brechts Gespräch über Bäume
weiterzuführen und Franz Marcs Blaues Pferd zu finden.

Überlassen wir das Feld nicht unseren Gegnern.
Ziehen wir los.










Sikahirsche, Reh und Kalb, Ernstbrunn, 15.12.2019



Freitag, 3. Januar 2020

Vertrunkener Gottesacker



Futterkartoffeln, 
Hafer und Leckstein
in einer Raufe.

Wild in der Zone
zwischen Bahndamm und Hafen 
und losem Flussarm.

Hier fliesst, was dort steht.
An jenem Kindergrab dort
am Ufer ist's still. 














Es gibt in Albern den Friedhof der Namenlosen. Er ist umzäunt, seine Gräber sind uniform, die kleine Gedenkstätte versinkt im Getriebe und im Lärm des  mittlerweile wiedererwachten Hafen-, Lager- und Logistikbetriebs rund um die historischen Speicherbauten.

Aber es gibt wilde Gräber und Gedenkplätze in der Nähe. Dort, wo sich nur die Angler hintasten, ist das Grab eines Kindes. Es wird liebevoll unterhalten und gepflegt. Auch das Grab meiner Mutter war auf einem solchen Friedhof der Namenlosem, dem Vertrunkenen Gottesacker am Rhein. Ich schnüre den Grenzzäunen entlang und entdecke so meinen Ort.  

Wien, den 03.01.2020