Freitag, 24. November 2017

Même: Vorwärts ins Zurück zum Text




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kulturkritik

Was vom Tage übrig blieb: Dass vergeht, was nicht notiert wird und verschwindet, was nicht aufgezeichnet wurde, weiss man immer wieder im Leben und man weiss es immer wieder neu beim Erkennen des Schon-wieder einmal Nicht-Wissens, was eben erst geschah.


Beziehungsweise .... 

... bleiben die Erinnerungen subkutan, sinnlich codiert, gehen anhand von Assoziationskonnexen in eine innere Verbuchung über, die allerdings anhand von Bildern, Kategorien, Farben & Formen, sensorischen Daten fortschreitet und so lange außersprachlich bleibt, bis sie nicht auf dem Wege von Gespräch, Brief oder Selbstnotiz geformt, formuliert werden. 

Nein, ich vergesse sehr wenig, wobei ich auch hier nur weiss, was ich nicht vergass ... usw. - In der Tat habe ich eine Vielzahl von Mnemotechniken entwickelt, die oft haptisch, sinnlich auf den Song- und Storylines meines magischen Intellektualismus zu liegen kommen und auf dem Kontinent meines überschwänglichen Beheimatetseins in einem umfassenden mythopoetischen Erlebenskosmos.

Wie ich vergesse, zu essen, gerät mir auch die Sprache immer wieder abhanden und in Verlust. Zwinge ich mich nicht zur expliziten verbalen Äusserung, läuft die Sprache denkend durch mich hindurch, bleibt gleichzeitig allerdings unausformuliert. 

Die Versprachlichung mentaler Vorgänge fordert und fördert lineare Setups, Hierarchisierungen, Dramaturgien. Im Zustand der Außersprachlichkeit funktioniert die Memoria eher wie ein Kunstkabinett mit Petersburger Hängung oder wie das Depotlager eines Naturalienkabinetts. Die Inhalte sind von einer Gleichzeitigkeit geprägt und konstituieren damit einen Raum des Omnipräsenz, der dem vektoriellen Sprachraum diametral entgegensteht.

Schreiben kam mir - beginnend bei den wöchentlichen Briefen an die Großmutter im siebenten Lebensjahr - immer wie ein Trichter vor, in welchen man oben die vieldimensionalen Wahrnehmungen und Ereignisse hineinstopft, auf dass unten die kleine Münze plappernder Geläufigkeit herauskommt. 

Bild dafür bleibt Wilhelm Busch schockierende, finale Zermahlung der dreidimensionalen Buben Max und Moritz zu zweidimensional linearen Dessins und Gänsefutter.

Quand même (ein Duchamp'sches "même") will und soll die mehrjährige Sprachabsenz enden. Ich schreibe ab dem heutigen Tage wieder die Welt und die Dinge mit


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